Tipps zur bAV 2017

 

 

In 10 Schritten zur betrieblichen Altersversorgung (bAV)  

 

Für den Ruhestand vorzusorgen, ist nicht einfach. Kaum einer vergleicht am Abend oder am Wochenende gerne Fondssparpläne und Riester-Renten. Auch mit der betrieblichen Altersversorgung (kurz: bAV genannt) haben sich viele Mitarbeiter noch nie befasst. Das ist ein Fehler. Ein Vergleich lohnt sich!

 

  • Warum sollte man Geld in eine bAV anlegen?

 

Lange Zeit konnte ein Arbeitnehmer, der 45 Jahre lang Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung eingezahlt hatte, sich darauf verlassen, dass er eine lebenslange Rente erhalten wird, die ca. 70 Prozent des letzten Einkommens entsprach.

Dieser Anteil sinkt. Steuerlich geförderte, private Rentenversicherungen (Riester und Rürup) dienen dazu, diese Lücke zu schließen. Die bAV, die es als freiwillige Leistung von Arbeitgebern schon seit 100 Jahren gibt, dient dem gleichen Zweck. Sie soll den Lebensstandard zusätzlich absichern, der durch die gesetzliche Rente nicht mehr zu sichern ist. Alle Tarifpartner sind sich einig, dass die 50 bis 70 Prozent aus der gesetzlichen Rente nicht ausreichen, sondern 80 bis 85 Prozent (sagen die Arbeitgeber) oder gar 90 Prozent (sagen die Gewerkschaften) des Einkommens angestrebt werden sollten.

Ansparen können Arbeitnehmer durch freiwillige Leistungen ihres Arbeitsgebers oder durch den Tausch von Barlohn in Versorgungslohn. Verhandeln und fordern Sie! Sie haben ein Recht auf eine bAV.

 

  • Wer kann einen Vertrag abschließen?

 

Bis 2002 hatten Arbeitnehmer keinen Rechtsanspruch auf eine bAV. Oft wurden von den Arbeitgebern wenig attraktive Kleinstrenten finanziert. Heute gibt es einen gesetzlichen Anspruch auf die sogenannte „Entgelt-Umwandlung“. Der Arbeitgeber muss dem Arbeitnehmer anbieten, Teile seines derzeitigen Bruttogehaltes in Altersrenten umzuwandeln. Das wird steuerlich gefördert. Dadurch stieg der Anteil der Arbeitnehmer mit einer bAV in der Privatwirtschaft von 38 Prozent (2001) auf 58 Prozent (2015). Besonders hoch ist der Anteil bei Banken und Versicherungen, besonders niedrig in Handel, Handwerk und Dienstleistungsgewerbe.

 

  • Welche staatlichen und tariflichen Förderungen gibt es?

 

Auf die Beiträge für die bAV müssen Arbeitnehmer und Arbeitgeber bis zu 2.800 Euro pro Jahr keine Steuern und Sozialabgaben zahlen. Diese Lasten fallen beim Betriebsrentner erst in der Rentenphase an, natürlich ohne Arbeitslosen- und Rentenversicherungsbeiträge. Hinzu kommt, dass im Alter die Steuerbelastung zumeist geringer ist, als während der Berufstätigkeit.

Zudem können Arbeitnehmer auch vermögenswirksame Leistungen des Arbeitgebers, die ihm ohnehin zustehen, in die bAV einzahlen lassen. Bis zu einer bestimmten Einkommensgrenze fördert der Staat das mit einer Zulage. Zudem sind die Arbeitgeber in vielen Branchen verpflichtet Zuschüsse zu zahlen. Alles spricht für die bAV.

 

  • Warum nicht mehr Geld in die private Vorsorge stecken?

 

Neben den Ersparnissen an Steuern und Abgaben ergibt sich ein weiterer Vorteil. Der Arbeitgeber kann für die Mitarbeiter bei Direktversicherungen und Pensionskassen Gruppenkonditionen vereinbaren. Dadurch sinken die Prämien bzw. sind die Renten höher als bei privaten Vorsorgeverträgen. Die Kosten sind geringer, weil der Berater weniger Honorar bekommt und die IT Verwaltung einer Versichertengruppe vergleichweise weniger kostet als die eines Einzelkunden.

 

Bei einem begrenzten finanziellen Spielraum sind die verschiedenen Sparformen genau zu vergleichen. Es ist zum Beispiel auch möglich, über den Betrieb mit Sonderkonditionen „zu riestern“ und dadurch mehr als die staatlichen Zusagen für sich, den Ehepartner und die Kinder zu erhalten. Allerdings werden diese Riester-Zulagen nur einmal gewährt.

Wird die bAV zusätzlich zur Riester-Rente abgeschlossen, hat der Arbeitnehmer einen weiteren Baustein für seine Altersrente. Je höher er den Zuschuss des Arbeitgebers für die Einzahlung bewirken kann, desto eher lohnt sich die bAV im Vergleich zur privaten Vorsorge.

 

  • Wo kann man sich informieren?

 

Als Ansprechpartner stehen sowohl die Personalabteilung als auch der

Betriebsrat bereit. Den Arbeitgeber sollten Sie mit Fragen löchern:

  • Muss eine individuelle Regelung getroffen werden?
  • Gibt es eine Betriebsvereinbarung oder eine tarifvertragliche Lösung?
  • Welchen Vorteil in der effektiven Verzinsung hat der Gruppenvertrag?
  • Wer sind die Anbieter, über die ich mich im Internet informieren kann?

 

 

  • Wohin geht das Geld, das für die bAV bestimmt ist?

 

Der Arbeitgeber kann aus fünf verschiedenen, gesetzlich geregelten Verfahren einen Weg für den Betrieb auswählen. Er kann eine Direktzusage aussprechen und in der Rentenphase den Betriebsrentnern oder ihren Hinterbliebenen die Pension selbst auszahlen. Zuvor kann er die notwendigen Gelder selbst verwalten und anlegen. Wenn ihm dieses zu umständlich ist, kann er eine Unterstützungskasse gründen oder sich einer solchen anschließen, die ihm die Anlage- und die Rentnerverwaltung abnimmt. Der Betriebsrat hat ein Mitgestaltungsrecht.

Neben diesen zwei Wegen der Eigenverwaltung der bAV gibt es drei Zusageformen, bei den Versicherungsgesellschaften die Anlage der Gelder und die Verwaltung der Rentner erledigen:

 

         Die Direktversicherung und die Pensionskasse und der Pensionsfonds.

 

Bei diesen Varianten schließt der Arbeitgeber für seinen Arbeitnehmer einen Lebensversicherungsvertrag ab. Vertragspartner ist zwar der Arbeitgeber, aber die Versicherungsgesellschaft darf bei Rentenbeginn nur an den Arbeitnehmer zahlen und nicht mehr an den Arbeitgeber. Ihr Schutz ist das sog. unwiderrufliche Bezugsrecht, das Sie als Stichwort kennen sollten. Kann der Arbeitgeber keine andere Form für die Entgeltumwandlung anbieten, hat der Arbeitnehmer ein gesetzliches Recht auf eine Direktversicherung.

 

  • Wie ist die Anlage gegen eine Pleite des Unternehmens geschützt?

 

Jeder Vertrag der bAV läuft nach einer Firmenpleite weiter. Wie hoch die Leistungen ausfallen, ist abhängig davon, welchen Durchführungsweg der Arbeitgeber gewählt hat.

Die Versicherungsgesellschaften haben für Direktversicherungen und Pensionskassen eine zusätzliche Auffanggesellschaft gegründet. Geht die Firma bankrott, erhalten die Arbeitnehmer auf ihre Beiträge weiter den garantieren Zins und meist sogar Überschüsse.

Bei Direktzusagen und Unterstützungskassen dagegen zahlt der Pensionssicherungsverein (PSV). Nach einer Insolvenz übernimmt dieser die Anwartschaften. Die Auszahlung der Rente übernimmt die Allianz in Verbund mit anderen Versicherungen im Auftrage des PSV.

 

  • Welchen Aufwand hat der Arbeitnehmer?

 

Einmal im Jahr kann der Arbeitnehmer verlangen, dass er eine Mitteilung darüber erhält, wie sich seine Ansprüche entwickelt haben. Da der Arbeitgeber dafür haftet, dass die Zusagen erfüllt werden, selbst wenn der beauftragte Verwalter das nicht schafft, braucht sich der Arbeitnehmer damit nicht zu beschäftigen.

 

  • Was passiert beim Wechsel des Arbeitgebers?

 

Eine Direktzusage und eine Zusage über eine Unterstützungskasse bleiben beim alten Arbeitgeber bestehen und werden im Rentenalter von diesem ausgezahlt, sofern der Arbeitnehmer fünf Jahre im Betrieb und älter als 25 Jahre war.

 

Verträge für eine Direktversicherung oder eine Pensionskasse sind beweglich und können beim neuen Arbeitgeber in dessen System eingegliedert werden, egal welchen Versicherer der alte Arbeitgeber ausgewählt hatte. Der Arbeitnehmer kann von seinem neuen Betrieb verlangen, dass dieser den Direktversicherungsvertrag übernimmt. Damit haftet der neue Arbeitgeber. Der Arbeitnehmer hat auch Recht, den Vertrag beitragsfrei stellen zu lassen und erhält dann als Rentner den verzinsten Ansparbetrag ausgezahlt.

 

 

  • Welche Leistungen sollte man noch abschließen?

 

Oft wird von den Beratern des Arbeitgebers im Rahmen der bAV auch eine Absicherung gegen Berufsunfähigkeit und ein Versorgungskapital im Todesfall angeboten. Dabei sollte man nur die sogenannte Beitragsbefreiung auswählen. Der Vorteil ist, dass man bei einer Berufsunfähigkeit die Beiträge für die Altersversorgung nicht weiter zahlen muss, wenn es eh schon finanziell eng ist.

 

Eine Police gegen Berufsunfähigkeit sollte man nicht über den Arbeitgeber, sondern unbedingt in jungen Jahren und dann privat abzuschließen. Der Bedarf ist bei jedem Arbeitnehmer, insbesondere bei den höheren Gehältern gegeben. Die gesetzliche Rentenversicherung zahlt nur, wenn keine oder nur eine geringe Erwerbstätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt möglich ist. Das Einkommen aus dem ausgeübten Beruf ist nicht geschützt. Die Beiträge zu den sog. BU Verträgen unterliegen einem scharfen Wettbewerb und sind daher günstig. Man sollte nicht älter als 35 ohne eine solche Risikoversicherung werden. Bei jedem Jobwechsel besteht nicht die Gefahr, dass man wegen des altersbedingt gestiegenen Risikos keine neue Police mehr abschließen kann.

 

Wenn der Arbeitnehmer der Alleinversorger in der Familie ist, ist zudem der Abschluss einer privaten Risikoversicherung zwischen 50.000 und 100.000 EUR in Verbindung mit einer preisgünstigen Unfallversicherung zu empfehlen, so dass bei Unfall mit Todesfolge die doppelte Summe ausgezahlt wird. Auch Unfallversicherung sollten über den Arbeitgeber zu Sonderkonditionen vereinbart.  

 

 

Kanzlei für betriebliche Altersversorgung

RA Dr. Horst Metz